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Deutschlandfunk: Verbrauchertipp
Manuskript vom: 10.4.2001

Auf den aller letzten Drücker! 'Last Second'-Reisen sind nicht immer ein Schnäppchen
von Solveig Bader
Redaktion: Dietmar Reiche

Mit gepacktem Koffer zum Flughafen und wenige Stunden später in der Sonne. Egal wohin, Hauptsache weg. Wer wirklich spontan verreisen möchte, der bucht nicht mehr "last minute", das heißt frühestens 14 Tage vor Reisebeginn, sondern sozusagen in letzter Sekunde.

Mit Last-Second-Angeboten, also Reisen in letzter Sekunde, oder Super-last-Minute-Angeboten locken zahlreiche Veranstalter ganz Kurzentschlossene in den Urlaub. Frühestens 48 Stunden vor Reiseantritt wird gebucht. Ein neuer Trend oder nur eine Marketing-Strategie? Beate Wagner ist Juristin bei der Verbraucherzentrale NRW und zuständig für Reiserecht.

Beate Wagner: Das ist einfach nur die Beschreibung eines Umstandes, den es auch früher so schon gab. Last Second: Der Begriff soll erst mal den Eindruck vermitteln, es handelt sich um ein Sonderangebot. Das kann durchaus sein, wenn man die Preise mit dem Angebot desselben Veranstalters vergleicht, es muss aber kein besonders günstiges Angebot sein, das heißt wenn man die Preise vergleicht, was man immer tun sollte, kann man durchaus vielleicht bei einem anderen Veranstalter vergleichbare Leistungen für einen geringeren Preis finden. Es ist in erster Linie ein Mittel, um zu signalisieren, hier gibt's etwas günstig, aber das sollte man auch, wenn man Wert darauf legt, dann überprüfen.

Wer allerdings mit gepackten Koffern am Flughafen-Schalter erscheint und innerhalb von wenigen Stunden in die Sonne fliegen möchte, hat dazu dann oft keine Gelegenheit mehr. Damit man einschätzen kann, ob es sich wirklich um ein günstiges Angebot handelt, sollte man sich vorher bei verschiedenen Veranstaltern, die regelmäßig kurzfristige Reisen anbieten, über die Preise erkundigen. Einen Überblick über die Katalogpreise bekommt man in den Prospekten der Reiseveranstalter, in den Reisebüros oder anhand von Preisvergleichssystemen im Internet.

Beate Wagner: Da gibt es zum Beispiel den Tourfinder oder den Tourmanager, man müsste sich festlegen auf einen Reisetermin, den Abflugort, natürlich das Reiseziel und eine entsprechende Hotelkategorie, möglicherweise sogar dasselbe Haus, festlegen, und dann sich günstige oder den günstigsten Preis heraussuchen lassen.

Allerdings ist es höchst unwahrscheinlich, genau das Angebot am Schalter wiederzufinden, das man sich im Katalog oder Internet ausgeguckt hat. Die Informationen zu einer Last Second Reise sind zumeist äußerst dürftig. Bis auf den Reisezeitraum, das Ziel - häufig wird auch nur eine Gegend angegeben - und eine Hotelkategorie, bekommt der Reisende am Flughafen-Schalter nichts mitgeteilt. Deshalb geht er immer das Risiko ein, dass die Reise seinen Vorstellungen nicht entspricht. Reisemängel kann er aufgrund fehlender Versprechungen dann auch schlecht beanstanden.

Beate Wagner: Das Recht zur Reklamation besteht natürlich auch bei sehr kurzfristigen Reisen. Nur sind detaillierte Abweichungen beispielsweise von der Katalogbeschreibung und der tatsächlich vorgefundenen Leistung gar nicht so einfach festzustellen. Wenn die Information über die Zimmergröße fehlt und man kommt hinterher in eine Abstellkammer, dann kann man schlecht sagen, mir ist ein Zimmer von mindestens 12 Quadratmetern angeboten worden. Das ist unter Umständen etwas schwierig, die vorgefundene Lage mit der versprochenen Leistung zu vergleichen.

Wer spontan verreisen möchte, für den kann ein Last Second Angebot durchaus eine günstige Alternative sein. Allerdings hat solch ein kurzfristig gebuchter Pauschalurlaub immer einen Hauch von Abenteuertrip. Denn letztendlich weiß der Urlauber nicht, was ihn am Zielort erwartet.

© DeutschlandRadio 1999, 2000

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